evangelisch. Bad Schönborn-Kronau

Angenommen

 

Herausgerissen aus dem Alltag …
Vielleicht war es ein Schlaganfall, manchmal ist es ein Sturz. Die Schmerzen und die Aufregung erinnern: Notarzt, Rettungswagen Aufnahme im Krankenhaus. Fremd, die Ärztin, und was sie gesagt hat über den möglichen Verlauf. Fremd, der Klinikbetrieb und der Tagesrhythmus. Fremd, die andere Patientin im Zimmer. Niemand nimmt sich richtig Zeit, zu hören und zu sprechen über meine Befürchtungen.
Jetzt die Rehabilitation. Ob es wieder werden kann, werden wie vorher? Mit großer Mühe und Anstrengung hatte ich mich selbständig erhalten, über Jahre. Alle Kraft dafür, dass ich für mich sorgen und wirtschaften kann – aber plötzlich bestimmen andere über mich, was ich esse, wann ich schlafe, wie mein Zimmer gereinigt wird, ... – geht ja nicht anders.
Wie wird sich der Alltag verändern, verändern müssen, wenn ich nach der Reha wieder heim-komme?
Ein Kur-Seelsorger kann zuhören und sich Zeit nehmen, um alles zu ordnen.
Pfarrer Christian Mono, 0171 10 27 944, montags und donnerstags in der Rochusklinik
 
Mitbetroffen
Meine Kinder haben das zwar schon bei Anderen mitbekommen: plötzlich Diagnose Krebs, unerwartet aus dem Alltag gerissen. Aber jetzt sind sie anders berührt. Sie beginnen selbst zu fragen: Was wird bleiben, wenn ich selbst nicht mehr kann, nicht mehr da bin? Was kann ich bis dahin entscheiden und regeln?
Es tut mir Leid, dass ich meine Kinder zu diesen Fragen gebracht habe – und doch bin ich daran nicht Schuld; jetzt darf erstmal im Vordergrund stehen, dass ich geheilt werde oder es zumindest besser wird.
 
Gottesdienst
Mit Gott reden, Gedanken und Erwartungen ausdrücken, auf ihn hören: Im Gottesdienst freitags 19 Uhr (evang) und mittwochs 15 Uhr (kath) in der Kapelle Rochusklinik, EG neben Cafeteria und Durchgang zu Haus H.
 
 

Quelle: pixaby

All-wissend und all-mächtig ist Gott?   Und was ist der Mensch?
Nachrichten schauen, behauptete Einschätzungen als Fakten lesen, „alternative Fakten“ nicht erkennen: es ist schwierig. Nachdem bewusst oder unbewusst Filter und Algorithmen Handy-Fotos aufhübschen und nicht erkennbar retuschieren: Was weiß ich als Fakt? Was ist wahr?
Bei einer Kutschfahrt auf Landstraßen soll ein Mitfahrender den Aufklärungsphilosophen Voltaire (François-Marie Arouet) hingewiesen haben: „Sieh mal, die Schafe sind frisch geschoren.“ – Voltaire darauf: „Zumindest von einer Seite.“
Heutige Lästerer sagen schnell: wie dumm! Aber eigentlich hat Voltaire genau gedacht. Er drückte aus: ich sehe nie das Ganze; und ich muss die Voraussetzung meiner Sicht und meiner Aussage erkennbar machen. Denn so wenig wir Menschen die andere Seite des Mondes sehen, so wenig sieht man ein Schaf in 20m Entfernung ganz. Es kann ein Andererseits geben, das nicht umfasst ist durch meine Perspektive: toter Winkel, blinde Flecken. Seine Fehlbarkeit zu kennen und zu akzeptieren, ist wahrhaftiger. Voraussetzungen zu nennen wirkt vertrauenswürdiger.
Und heute? Im Verein, im Betrieb, in Politik und Verwaltung: niemand wagt, einen Fehler zuzugeben; oder zumindest zu sagen: damals gut überlegt und entschieden, aber aus heutiger Sicht … besser anders zu entscheiden. Statt Irrtum einräumen: weitermachen, Augen zu und durch.
Viele reagieren mit Ablehnung, wenn ein Politiker oder eine Managerin einen Fehler einräumt – aber das ist doch gerade das Gute an Demokratie und Rechtsstaat, dass wir unterscheiden können zwischen Person und Tat. Nur Autokraten wie Putin haben immer recht und suchen Irrtümer immer bei anderen – ebenso Pseudoaufklärer mit unmäßigem Moralfuror.
Für den Menschen, der einen Fehler gemacht hat, wirkt der Zwang, scheinbar nie irren zu dürfen, lähmend, blockierend, beschämend. Dabei kann jeder von uns eine Situation falsch einschätzen, sich verrennen, irren, etwas übersehen. Wer es erkannt und bekannt hat, heilt die Folgen.
Zur Zeit müssen wir uns vielfach und gewaltig umorientieren und abkehren von den Erfahrungen der 1980iger. Wir müssen vieles anders sehen und machen, anders verstehen, korrigieren. Was wäre die Alternative? 2022 war schon der kühlste Sommer von allen, die kommen werden. Leben wir weiter wie 1979, dann kommen wir bei 3,7 Grad Klimaerwärmung raus; 2021 haben wir schon 1,3 Grad mehr und es sollten nicht mehr werden als 1,5 Grad . Umso nötiger ist es, aufrichtig und menschlich, ernsthaft und barmherzig umzugehen mit der Fehlbarkeit und Irrtum – eigenem und fremden. Übrigens: Sogar Gott bereut, lernt dazu, korrigiert sich. Nach der Sintflut (1. Mose 8+9) entscheidet er anders und will die Erde nicht nochmals vernichten. Und Gott nimmt seinen Zorn auch zurück. „Machs wie Gott: werde wirklich Mensch“ – im beginnenden neuen Jahr könntest Du Dich trauen, aufrichtiger und barmherziger zu sein und vieles anders zu machen. Schließlich sind es nicht Algorithmen oder KI, die entscheidende Worte sagen; nein, es ist ein Mensch – fehlbar, einsichtsfähig, eingestehen könnend, wenn etwas schief lief. Vielleicht sogar jemand, die/der das mit Gott bespricht im Gebet. Meine Erfahrung: das hilft. Beten macht Kopf und Herz frei, es anders oder neu zu versuchen – statt gelähmt zu sein.
Christian Mono, Pfarrer
 

Nun bin ich schon mehr als 9 Tage hier drin; manches ist vertrauter an Abläufen, an Wegen, an Beziehungen; sogar an den Rolli gewöhne ich mich.
Bei den Anwendungen und Therapie erfahre ich geduldige Zuwendung, Übung, Rat.
Ob ich auch im Zimmer üben soll? Führe ich das dann richtig aus?
 
Jedenfalls geht es aufwärts, Schritt für Schritt geht es der Heilung entgegen.
Nach der Reha kann ich nicht einfach weitermachen wie zuvor.
 
Ich will Gott DANKE sagen
- Es geht aufwärts und schrittweise der Heilung entgegen.
- Für die therapeutische Hilfe, die ich bekomme
- Für die Schwestern und Pfleger, die gut mit mir umgehen
- Denn ich erfahre mich als BEWAHRT.
 
Sagen Sie Gott Ihren Dank! am Bett, in der Kapelle der Klinik,
im Kirchgarten (Hebelstr 2 Mingolsheim), im Gottesdienst (sonntags 10 Uhr Hebelstr 2)
 

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