Wenn du eine Kinderbibel hast, dann schau nach, ob du darin die Geschichte von Josef und seinen Brüdern findest. Lies dir die Geschichte durch und schau dir die Bilder zur Geschichte an.
Welchen Teil der Geschichte findest du besonders spannend?
Passen die Bilder gut zur Geschichte?
Hier kannst du dir die Geschichte von Josef und den Brüdern auch im Video anschauen:
Wie aber ging es Josef die ganze Zeit dazwischen in Ägypten?
Josef war von seinen eigenen Brüdern als Sklave verkauft worden. Die Kaufleute brachten Josef in das ferne Ägypten. Dort verkauften sie ihn an einen reichen Mann weiter, der Potifar hieß.
Josef wurde Sklave in Potifars Haus. Er arbeitete jeden Tag von morgens bis abends. Aber was Josef auch anpackte, machte er richtig, drinnen im Haus und draußen im Freien. Gott war mit ihm und ließ es ihm gelingen.
Als Potifar das sah, rief er Josef zu sich und sagte: "Von nun an sollst du mein Verwalter sein! Alles, was in meinem Haus ist, will ich dir übergeben. Und alle anderen Sklaven in meinem Haus sollen dir gehorchen."
Aber die Frau Potifars hatte anderes mit Josef vor. "Komm!" flüsterte sie Josef zu. "Sei mein Geliebter!" Doch Josef wehrte ab. "Nein!" sagte er erschrocken. "Das kann ich deinem Mann nicht antun. Und Gott will es auch nicht. Sieh, dein Mann hat mir alles im Haus übergeben. Aber du gehörst nur ihm allein."
Doch die Frau ließ Josef keine Ruhe. Eines Tages waren die beiden allein zuhaus. Da hielt die Frau Josef am Gewand fest und redete auf ihn ein: "Tu, was ich dir sage! Leg dich zu mir!" Aber Josef riss sich von ihr los und rannte ohne Gewand aus dem Haus.
Als die Frau das sah, überlegte sie nicht lange. "Hilfe! Hilfe!" schrie sie so laut, dass es durch das ganze Haus hallte. Sogleich eilten von allen Seiten die Sklaven herbei. "Was ist los? Was ist los?" fragten sie erschrocken.
"Seht", rief die Frau empört, "was Josef mir angetan hat! Er wollte sich zu mir legen. Aber ich schrie laut um Hilfe. Da ließ ich mein Gewand fallen und rannte davon." Und sie legte Josefs Gewand neben sich und wartete, bis ihr Mann heimkam.
Als aber Potifar hörte, was seine Frau ihm erzählte, wurde er furchtbar zornig. "Josef hat mich betrogen!" schrie er wütend. "Ab mit ihm ins Gefängnis! Ich will ihn nie mehr sehen."
Da packten sie Josef und warfen ihn ins Gefängnis.
Nun saß Josef im Gefängnis, aber Josef war anders als alle anderen Gefangenen. Das merkte auch bald der Wärter, der die Gefangenen versorgte. Er bat Josef: "Willst du mir helfen?" Josef war gerne dazu bereit. Von nun an sorgte er für die Gefangenen. Er besuchte sie jeden Tag, brachte ihnen das Essen und sprach ihnen Mut zu. Die Gefangenen vertrauten ihm und erzählten Josef sogar von ihren Träumen. Auch ein Gefangener, der vorher ein Mundschenk beim König Pharao gewesen war, erzählte Josef von seinem Traum. Josef konnte den Traum deuten und erklärte ihm, dass er in drei Tage freikäme. Es geschah so. Doch kaum war der Mundschenk frei und wieder beim Pfarao eingesetzt, vergaß er Josef.
Es war Nacht. Der Pharao von Ägypten schlief in seinem Palast. Er hatte in dieser Nacht einen seltsamen Traum: Er stand im Traum am Ufer des Nil-Flusses. Da stiegen aus dem Fluss sieben schöne und fette Kühe. Die grasten am Ufer.
Danach stiegen noch einmal sieben Kühe aus dem Wasser. Aber sie waren hässlich und mager. Die fraßen die schönen, fetten Kühe auf.
Da wachte der König auf. Voll Unruhe wartete er, bis der Morgen anbrach. Dann rief er seine Gelehrten herbei und erzählte ihnen, was er geträumt hatte. Doch sei konnten seine Träume nicht deuten.
Schließlich erinnerte sich der Mundschenk an Josef und sagte zum Pharao: "Ich kenne einen Mann im Gefängnis. Er kann Träume deuten."
"Dann holt ihn sofort her!" befahl der König.
Da holten sie Josef aus dem Gefängnis, zogen ihm ein neues Gewand an und führten ihn vor den Pharao. Der fragte ihn: "Ist es wahr, dass du Träume deuten kannst?" "Nein", antwortete Josef. "Ich kann es nicht. Aber Gott wird mir sagen, was die Träume bedeuten."
Da erzählte der König, was er geträumt hatte. Josef aber sagte zum König: "Das bedeutet es: Sieben Jahre lang wird viel Korn wachsen. Aber danach kommen sieben schlechte Jahre. Kein Korn wird mehr auf den Feldern reifen. Alle Menschen werden hungern. Darum bau dir große Lagerhäuser, und setze einen klugen Verwalter ein, der das Korn sammelt und die Lagerhäuser füllt! Und wenn die Hungersnot kommt, soll er es an die Leute verkaufen."
"Das ist gut!" rief der Pharao. "Dein Plan gefällt mir. Du sollst ihn selbst ausführen. Ab heute bist du der zweitmächtigste Mann in Ägypten." Und er gab Josef seinen kostbaren Siegelring, legte ihm einen Mantel um und hängte eine goldene Kette um seinen Hals. Danach schickte er ihn in seinem Königswagen durch das ganze Land und ließ vor ihm her in allen Städten und Dörfern ausrufen: "Dies ist der Mann, dem der König alle Macht übergeben hat. Ihm sollt ihr gehorchen!"
Bald darauf traf ein, was Josef vorausgesagt hatte. Es gab Korn in Fülle. Alle konnten essen, soviel sie wollten. Und es blieb immer noch genug Korn übrig, mehr als genug!
Da ließ Josef große Kornspeicher bauen und füllte sie mit Korn, eine riesige Menge, so viel wie Sand am Meer.
Aber nach sieben Jahren kam eine Dürrezeit. Es regnete nicht mehr. Die Sonne versengte das Land. Die Erde trocknete aus. Auf den Feldern verdorrte das Korn.
Und in allen Ländern brach eine große Hungersnot aus.
Da kamen die Menschen in großen Scharen zu Josef und baten ihn: "Verkauf uns etwas von deinem Korn, damit wir nicht verhungern!" Und Josef öffnete seine Speicher und gab ihnen Korn, soviel sie brauchten.
So kam es, dass eines Tages auch die Brüder von Josef nach Ägypten kamen.
Josef, der viele Jahre zuvor von seinen Brüdern misshandelt und verkauft worden war, konnte sie nun retten.
Josef sagte zu ihnen: "Ihr hattet Böses für mich geplant. Aber Gott hat es zum Guten gewendet."
(Bilder: Kees de Kort, Erzählung: nach Irmgard Weth (gekürzt LH))


